ANNE
DREI BOUDOIR FOTOSHOOTINGS. DREI VERSIONEN EINER FRAU. UND EINE DER SCHÖNSTEN ENTWICKLUNGEN, DIE ICH JE FOTOGRAFIEREN DURFTE.
Es gibt Bilder, die sind einfach wunderschön. Dann gibt es Bilder, die erzählen Geschichten. Und dann gibt es Bilder, die erzählen von noch so viel mehr.
Von Entwicklung.
Von Vertrauen.
Von einem Menschen, der sich immer mehr erlaubt, einfach er selbst zu sein.
Anne begleitet mich inzwischen seit mehreren Jahren. Oder sollte ich sagen – ich begleite Anne? Drei Boudoir Fotoshootings liegen zwischen unserem ersten Kennenlernen und heute. Im Durchschnitt sehen wir uns alle zweieinhalb Jahre bei ihrem nächsten Fotoshooting wieder.
Und jedes Mal fotografiere ich nicht einfach dieselbe Frau neu. Ich fotografiere die Frau, die sie inzwischen geworden ist. Wenn ich diese drei Shootings heute nebeneinander lege, bekomme ich Gänsehaut. Denn ich sehe nicht nur ihre Entwicklung.
Ich sehe auch meine.
Das erste Boudoir Fotoshooting
Damals hatte ich noch kein eigenes Studio. Wir fotografierten in einem Hotelzimmer in Düsseldorf. Anne wurde von einer Freundin begleitet, die uns an dem Tag unterstützte. Alles war neu und aufregend und Anne war ganz schön nervös. Sie hatte wunderschöne Dessous dabei. Aufwendig. Feminin. Verspielt.
Wir machten Bilder auf dem Bett, in der Dusche, arbeiteten mit klassischen Boudoir-Posen, mit viel Körperspannung, mit Sinnlichkeit und verführerischen Blicken in die Kamera.
Anne wirkte zurückhaltend, süß, unschuldig und verspielt.
Und ich fotografierte damals noch innerhalb der Grenzen dessen, was ich selbst für „schön“ hielt. Oder besser gesagt: Innerhalb der Grenzen dessen, was unsere Gesellschaft uns als schön beigebracht hatte.
Möglichst Schlank, möglichst feminin, möglichst sexy.
Möglichst ästhetisch. Möglichst perfekt. Möglichst so, wie es „Männern“ gefällt.
Ich dachte damals, genau das wäre meine Aufgabe. Heute weiß ich:
Es war nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was Schönheit eigentlich sein kann.
Denn wir waren beide noch ziemlich „jung“ – gar nicht unbedingt vom Alter, sondern eher von dem, wie wir auf die Welt, das Patriarchat und unsere Rolle in der Gesellschaft geschaut haben.
Und wahrscheinlich waren wir auch noch ein bisschen naiv. Einfach an einem anderen Punkt unseres Lebens.
DANN KAM DAS ZWEITE BOUDOIR FOTOShooting. Stärkere Posen, mehr präsenz.
Inzwischen hatte ich mein eigenes Studio. Und Anne hatte sich verändert. Die langen Haare waren weg. Die Kleidung fühlte sich anders an. Keine zarten Spitzen-Dessous mehr. Stattdessen Ledercorsage, Choker, klare Linien, mehr Charakter, mehr Haltung.
Das Shooting begann auch ganz anders. Nicht mehr mit dieser nervösen Aufregung, die viele Menschen vor ihrem ersten Boudoir Fotoshooting mitbringen, sondern mit viel mehr Vorfreude.
Sie wusste inzwischen, dass sie hier nichts leisten musste. Sie wusste, dass sie mit allen Anteilen willkommen war. Und genau dadurch begann sie, sich ihren Raum zu nehmen.
Sie fragte nicht mehr nach Erlaubnis. Sie entschuldigte sich nicht mehr für ihre Präsenz. Und genau das war so viel stärker als jede perfekt einstudierte Pose.
Und dann kam das dritte shooting.
Dasselbe Studio. Dieselbe Kamera. Dieselbe Fotografin. Dieselbe Frau.
Und trotzdem war alles anders.
Denn diesmal ging es nicht mehr darum, sexy zu sein. Nicht mehr darum, Stärke zu beweisen. Nicht mehr darum, eine bestimmte Version von sich zu zeigen. Es ging nur noch darum, Anne zu sein.
Sie brachte weniger Kleidung mit. Weniger Accessoires. Weniger Inszenierung.
Und genau dadurch entstand plötzlich so viel mehr Raum für SIE.
Die Bilder wurden ehrlicher. Weicher. Ruhiger.
Nicht, weil sie an Stärker verloren hatte, sondern weil ihre Stärke sich inzwischen ganz anders zeigen durfte. Sie musste nichts mehr darstellen, nichts performen.
Sie musste niemandem mehr beweisen, dass sie selbstbewusst ist. Sie war es einfach. Und genau das sieht man. Diese Ruhe, die Selbstverständlichkeit, die Schönheit, die darin lag, dass sie einfach vor meiner Kamera existieren durfte, ohne sich zu verstellen.
DAS IST DER UNTERSCHIED ZWISCHEN MALE GAZE UND AUTHENTIZITÄT. Und die Magie, wenn du für einen moment nur für dich existierst.
Ich glaube, viele Menschen denken bei einem Boudoir Fotoshooting immer noch zuerst an Dessous. An Posen. An Verführung. An Bilder, die möglichst attraktiv wirken sollen. An Bildern, die Männern gefallen müssen, die dem Male Gaze unterliegen.
Und ich verstehe das. Wir sind alle genau so sozialisiert worden und genau so habe ich früher schließlich selbst fotografiert. Heute interessiert mich etwas ganz anderes.
Ein Boudoir Fotoshooting ist für mich längst kein Versuch mehr, einen Menschen möglichst sexy aussehen zu lassen oder ihn in die gesellschaftlichen Formen von Normschönheit zu pressen.
Es ist ein authentisches Porträt von dem Menschen vor meiner Kamera. Mit allem, was gerade da ist. Mit all den Dingen, die uns wirklich ausmachen.
Warum es sich also lohnt, öfter zu kommen…
Anne hat einmal etwas geschrieben, das mich bis heute sehr berührt:
„Ich war inzwischen schon das dritte Mal bei Annika zum Boudoir-Shooting – und jedes Mal fühlte es sich wie ein kleines nachhausekommen an.“
– Anne
Nicht, weil jedes Shooting gleich wäre, sondern weil jeder Besuch ein neues Kapitel erzählt.
Ein neues Alter, neue Umstände und eine neue Version von dir.
Und manchmal merkt man selbst gar nicht, wie sehr man sich verändert hat, bis man die Bilder nebeneinander legt.
„Die Atmosphäre ist einfach einzigartig, ein echter Wohlfühlort, an dem ich ganz ich selbst sein darf. Absoluter Safe Space!“ (Anne)
Ich glaube, genau deshalb entsteht diese Sichtbarkeit der Veränderungen überhaupt. Weil sie hier einen Raum bekommen dürfen. Ohne Bewertung. Ohne Erwartungen. Ohne die Frage, ob etwas gerade schön genug, sexy genug oder feminin genug aussieht.
DAS SCHÖNSTE AN DIESER GESCHICHTE? Dass sie noch lange nicht zu Ende ist.
„Mit so viel Empathie und Feingefühl schafft es Annika, mich immer wieder ein Stück näher zu mir selbst zu bringen.“ (Anne)
Ein Boudoir oder Portrait Fotoshooting ist immer erst der Anfang. Ich erinnere dich nur an die Dinge, die längst da sind, manchmal braucht es genau das – einen Blick von außen, ein authentisches Porträt. Ein Fotoshooting, für das du nicht performen musst, sondern einfach zu dir finden darfst.
„Jedes Shooting stärkt meinen Selbstwert auf eine tiefe, ehrliche Weise und es ist längst mehr als nur ein Fotoshooting für mich.“
– Anne
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mich Menschen immer wieder buchen. Nicht, weil das erste Shooting nicht gut genug gewesen wäre, sondern weil wir Menschen niemals „fertig“ sind.
Wir verändern uns, wachsen, wir lassen los, wir entdecken neue Seiten an uns. Neue Seiten an der Gesellschaft, erhalten neue Perspektiven darauf, wo wir hingehören und wie wir den Lauf der Dinge verändern möchten.
Und genau deshalb liebe ich Wiederholungstäter:innen so sehr. Weil ich nie weiß, welche Version ich dieses Mal kennenlernen darf. Vielleicht ist das die größte Magie überhaupt.
Dass ein Boudoir Fotoshooting festhält, wer du gerade geworden bist.















